Forsaken Realms: Vahrin’s Call Test / Review: 7 Entwickler, 12 Jahre und ein RPG mit Herz

Forsaken Realms: Vahrin’s Call ist das Debütspiel von Titan Roc und eines der ungewöhnlichsten RPG Projekte des Jahres. In unserem Vahrin’s Call Test klären wir, warum ein Fantasy RPG von sieben Entwicklern auf Steam für hitzige Diskussionen sorgt, wo die echten Stärken liegen und für wen sich der Kauf lohnt. Und lass gerne ein Abo auf YouTube da! Dort gibt es viele Guides zum Spiel.

Titan Roc

Das unvorstellbare bei Titan Roc ist die Anzahl der Mitarbeiter. Gerade einmal mit sieben Mitarbeitern haben sie Forsaken Realms: Vahrin’s Call, ein Fantasy RPG, entwickelt. Wenn man bedenkt, wie schwer es ist im Freundeskreis einen Termin für einen Kinobesuch zu finden, ist das fast schon erstaunlich.

Sie haben außerdem das Spiel völlig unabhängig ohne Publisher im Rücken entwickelt und benötigten hierfür ca. 12 Jahre. Das erklärt unter anderem auch, warum es das Spiel aktuell nur in englischer oder finnischer Sprache gibt. Eine Localisation in andere Sprachen soll es laut Titan Roc geben. Hierfür wolle man den Profit aus den Verkäufen nutzen. Außerdem kann sich die Community miteinbringen und das Team dabei unterstützen. Titan Roc ist sehr Community nah und hört sehr viel auf Feedback. Das geschieht hauptsächlich auf ihrem Discordserver.

Nach eigenen Angaben kam bei der Entwicklung kein generatives KI Material zum Einsatz, weder bei den Assets noch bei der Vertonung.

Story (Spoilerfrei)

Die Story möchten wir nicht spoilern, aber ein gewisses Rahmen mitgeben, in welche Richtung die Story geht. Titan Roc hat sich von bekannten Filmen und Spielen inspirieren lassen. Sie selbst nennen hierbei Fable, Der Herr der Ringe oder die Elder Scrolls. Gerade Fable lässt sich an sehr vielen verschiedenen Stellen wie Bewegung, Kampfsystem oder Charakterdesign wiedererkennen.

Der Spieler schlüpft in die Rolle eines Söldners, der für Münzen Aufträge annimmt. Schnell stellt sich heraus, dass die Welt recht düster und bedrückt ist. Es herrschen Kriege. Nichtsdestotrotz haben die Menschen in dieser Welt den Humor nicht verloren und zaubern uns ein schmunzeln ins Gesicht. Wenn ihr stumpf der Hauptstory folgt, seid ihr nach ungefähr 15 Stunden durch. Solltet ihr die Nebenmissionen machen und/oder euch Sammelobjekten widmen, werdet ihr auf ungefähr 30 Stunden kommen.

Auffällig ist dabei, dass viele Nebenquests eigenständige kleine Geschichten erzählen und stellenweise stärker sind als die Hauptstory. Das Spiel ist komplett englisch vertont und die Sprecherleistung gehört zu den positiven Überraschungen des Titels.

Worldbuilding und Erkundung (Exploration)

Das Worldbuilding in Forsaken Realms: Vahrin’s Call passt sehr gut zur Story und die Art des Spiels, die es sein möchte. Es gibt keine „richtige“ Open-World, sondern eher in Zonen aufgeteilte Gebiete. Jede Map ist unterschiedlich groß und hat eine unterschiedliche Anzahl an Sammelobjekten und Ereignissen. Selbstverständlich gibt es in bestimmten Gebieten Rätsel und Puzzle, die gelöst werden können. Meiner Meinung nach sind diese aber nicht allzu anspruchsvoll, sondern sind relativ schnell gelöst (positiv). Leider gibt es auch unsichtbare Wände, die an ein paar Stellen stören könnten, aber insgesamt nicht großartig auffallen oder nerven.

Einige der Zonen gleichen außerdem Dungeons und wirken gar nicht erst wie „normale“ Gebiete. Jede Zone hat seinen eigenen Charme und trägt der Storyatmosphäre wesentlich bei. Die Anfangsgebiete wirken noch ruhig, nahezu idyllisch. Später gibt es halb zerstörte Städte. Auch in diesem Fall würde ich sagen ist der Vergleich zu Fable nicht weit hergeholt. Sie ähneln sich im Aufbau der Karten sehr. Schnellreise zwischen den Zonen gibt es selbstverständlich, falls ihr wieder zurück möchtet.

Wer es klassisch mag, kann in den Optionen einen Modus aktivieren, der die Questmarker komplett abschaltet. Dann müsst ihr Dialoge lesen und euch an Landmarken orientieren, so wie damals bei Gothic oder Morrowind. Wir haben unseren Vahrin’s Call Test genau so gespielt und genossen.

Kampfsystem

Spätestens das Kampfsystem wird der Punkt sein, wo sich die Gemüter scheiden werden. Ist das Kampfsystem heutzutage zeitgemäß? Vermutlich nicht. Passt es aber zum Spielstil und dieser Welt? Absolut. Das Kampfsystem ist außerdem die Stärke von Forsaken Realms: Vahrin’s Call. Titan Roc gibt nämlich nicht vor, wie ihr das Spiel zu spielen habt. Es gibt kein Klassensystem, wo ihr am Anfang eine Klasse auswählen müsst, und dann müsst ihr mit dieser Entscheidung leben. Ich würde sagen, ihr könnt das Spiel auf drei Arten spielen und diese miteinander kombinieren:

Waffentypen: Ihr könnt entweder mit Schild und Schwert, Großschwert, Lanze, Bogen, kleiner Axt, Großaxt oder Doppelklingen spielen. Wie ihr seht, die Auswahl ist gegeben. Ihr könnt jederzeit zwischen den Waffentypen wechseln. Ihr fangt vielleicht mit einem Großschwert an und verliebt euch in die Doppelklingen? Gar kein Problem.

Magie: Was darf es in einem Fantasy RPG nicht fehlen? Richtig. Magie! Auch in Forsaken Realms: Vahrin’s Call gibt es Magie, die ihr im Kampf nutzen könnt. Unterteilt wird sie in Feuer, Eis, Erde oder Veränderungsmagie. Das reicht vom Feuerball über den Eisspeer bis zur Verstärkung der eigenen Waffe. So könnt ihr entweder mit einem Feuerschwert kämpfen oder Feuerpfeile schießen.

Alchemie: Wenn euch bereits diese beiden Punkte nicht ausreichen, gibt es auch die Alchemie. Gerade in diesem Bereich könnt ihr euch austoben. Einen Guide zur Alchemie haben wir bereits zusammengestellt. Ihr könnt Tränke für den eigenen Spieler brauen, wie zum Beispiel Heil, Mana oder Ausdauertrank. Ihr könnt aber auch Tränke brauen, die dem Gegner Schaden zufügen oder ihn schwächen. Dabei müsst ihr nur aufpassen, welchen Trank ihr auf welchen Gegner werft. Einige könnten immun sein und der Effekt bleibt aus.

Ein Punkt, der leicht untergeht: Ihr levelt das, was ihr auch benutzt. Wer lange mit dem Großschwert kämpft, wird darin besser, wer viel braut, verbessert die Alchemie. Neue Fähigkeiten schaltet ihr über Skillbücher frei, die in der Welt versteckt sind. Damit hängt eure Charakterentwicklung direkt an der Erkundung. Umskillen ist jederzeit kostenlos und unbegrenzt möglich, ihr könnt also ohne Risiko experimentieren.

Das Kampfsystem macht, sobald ihr euch eingefunden habt, Spaß, auch wenn es für einige nicht zeitgemäß oder langsam ist. Ihr dürft kein Kampfsystem wie bei The Witcher erwarten. Vergesst nicht, dass es sich um einen Indie Titel mit begrenzten Mitteln handelt und nur von sieben Menschen entwickelt wurde. Dafür bietet es schon eine sehr gute Abwechslung. Außerdem arbeitet Titan Roc auch nach dem Release auf Hochtouren, um das Erlebnis zu verbessern.

Charaktererstellung

Für einige ist es ein Segen und für andere ein Fluch, aber ihr könnt auch in Forsaken Realms: Vahrin’s Call euren eigenen Charakter erstellen und die ersten Spielstunden damit verbringen. Die Auswahlmöglichkeiten reichen von Haarfarben bis zur Stimme. In unserem Vahrin’s Call Test haben wir viel Zeit darin verbracht.

Schwierigkeitsgrad und Bossfights

Forsaken Realms: Vahrin’s Call ist kein anspruchsvolles Spiel. Ich habe es auf dem Standardschwierigkeitsgrad gespielt und musste mir keine komplizierte Strategie ausdenken, wie ich Gegner besiegen muss. In den meisten Fällen gibt es am Ende eines Kapitels einen Bossfight, der in der Regel beim ersten oder spätestens beim zweiten Versuch erledigt ist. In regelmäßigen Abschnitten gibt es Checkpoints, falls ihr mal sterben solltet. Ihr müsst nur ein paar Meter laufen und seid an derselben Stelle. Falls ihr aber die Herausforderung sucht und braucht, könnt ihr den Schwierigkeitsgrad natürlich anheben und dann sieht die Welt wieder anders aus.

Performance, UI und der Streit um die Steam Reviews

Der mit Abstand häufigste Kritikpunkt ist die Performance, und der ist berechtigt. Die Frameraten fallen deutlich niedriger aus, als die Optik vermuten lässt, und das betrifft auch aktuelle High End Hardware. Wer die Grafikoptionen herunterschraubt, gewinnt dabei erstaunlich wenig. Dazu kommt, dass im Menü ausschließlich DLSS als Upscaler angeboten wird. Im Spielverzeichnis liegen allerdings bereits FSR und Intel XeSS Dateien, die schlicht nicht freigeschaltet sind. Die Technik wäre also da.

Der zweite große Schwachpunkt ist die UI. Inventar, Fähigkeiten und Crafting laufen über Textlisten, die eher an einen Platzhalter erinnern als an ein fertiges Interface. Wer viel craftet, umskillt oder Ausrüstung vergleichen will, klickt sich unnötig lange durch Menüs.

Und dann ist da noch eine Debatte, die ihr kennen solltet, bevor ihr euch die Steam Reviews anschaut. Ein großer Teil der negativen Bewertungen stammt von Accounts mit unter zwei Stunden Spielzeit, was direkt am Refund Fenster von Steam liegt. Die eine Seite hält das für unfair, die andere argumentiert, dass Ruckler und Jank bereits nach 20 Minuten sichtbar sind. Beides ist nachvollziehbar. Auffällig ist trotzdem, dass die ausführlichen positiven Reviews fast durchweg von Spielern mit 14 bis 38 Stunden Spielzeit stammen, während die schärfsten Verrisse unter der Zwei Stunden Marke liegen. Da wir ordentlich Zeit reinstecken konnten für diesen Vahrin’s Call Test, sind wir zuversichtig eine detaillierte Meinung bilden zu können.

Fazit zum Vahrin’s Call Test

Forsaken Realms: Vahrin’s Call ist das erste Spiel von Titan Roc und hat sich ohne einen Publisher finanziert. Das Herzblut und die Liebe des Spiels merkt man an allen Ecken in diesem Spiel. Diese Liebe zum Projekt merkt man auch daran, wie sie mit Kritik nach dem Release umgehen. Es gab zu Beginn des Release Performance Probleme, die zurecht für Unmut bei einigen Spielern gesorgt haben, aber Titan Roc arbeitet seit dem Release auf Hochtouren, um dieses Problem zu lösen. Außerdem gehen sie auf Verbesserungswünsche ein und beziehen die Community ein. Titan Roc verdient für den Umgang mit dem Spiel aus meiner Sicht die Bestnote.

Das Spiel Forsaken Realms: Vahrin’s Call ist ein wirklich schönes Spiel und als RPG gut umgesetzt. Gerade die Abwechslung im Kampfsystem sorgt für frischen Wind, wenn einem langweilig werden sollte. Die Welt ist bunt und nicht in schwarz-weiß gedacht. Die Rätsel und Bosse sind einfach zu lösen und sorgen für keine Frustquelle. Die Story ist jetzt nicht bahnbrechend oder neu, aber authentisch erzählt. Ein weiterer positiver Aspekt ist, dass Forsaken Realms: Vahrin’s Call nicht im Early Access erschienen ist, sondern bereits ein Full Release ist.

Jetzt komme ich zu meinem großen Aber hier im Vahrin’s Call Test: Forsaken Realms: Vahrin’s Call kostet 29,99 Euro, was im Indie Bereich inzwischen ein Standardpreis ist. Auch wenn das Kampfsystem eine der Stärken des Spiels ist, ist es gleichzeitig eine seiner größeren Achillesfersen. Es ist nicht mehr zeitgemäß und teilweise zu langsam. Es ist nicht sonderlich befriedigend zu kämpfen, denn die Intensität fehlt im Kampf.

Während die Welt mit einem sehr guten Soundtrack die Atmosphäre transportieren kann, schafft es das nicht beim Kämpfen. Die Eingabe und die darauffolgende Ausführung des Charakters wirken zeitverzögert. Auch beim Ausweichen kriegt man als Spieler das Gefühl, als würde man zu spät ausweichen. Dem ist aber eigentlich nicht so. Die Animationen und Hitboxen passen vermutlich nicht zusammen. Dazu kommt eine UI, die dringend eine Überarbeitung braucht.

Das ist natürlich meckern auf hohem Niveau und wir dürfen kein AAA Spiel erwarten, wo alles sehr glattgezogen wird und optisch ein Fest für die Augen ist. Geht ihr offen an den Titel heran, mit dem Hintergrundwissen, wer hinter Titan Roc steckt und dass es ihr erstes Projekt ist, kann über einige Schwächen hinweggesehen werden. Titan Roc hat sich diese Chance erarbeitet und verdient diese, auch wenn es Schwierigkeiten beim Launch gibt. Das wars mit dem Vahrin’s Call Test / Review.

Wenn dir unser Vahrin’s Call Test gefallen hat, schau dir die Guides zum Spiel an:

Unser Video zum Vahrin’s Call Test

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Good
  • Klassenloses System, ihr levelt genau das, was ihr benutzt
  • Riesige Build-Freiheit: sieben Waffentypen, vier Magieschulen, Alchemie, alles frei kombinierbar
  • Kostenloser Respec jederzeit, Experimentieren ohne Risiko
  • Skillbücher in der Welt versteckt, Erkundung zahlt direkt auf den Charakter ein
  • Jede Zone hat eigenen Charme, vom idyllischen Anfangsgebiet bis zur zerstörten Stadt
  • Optionaler Modus ohne Questmarker für Gothic- und Morrowind-Fans
  • Nebenquests erzählen starke eigene Geschichten, teils besser als die Hauptstory
  • Sehr guter Soundtrack und starke englische Vertonung
  • 30 Stunden Umfang für 29,99 Euro, dazu Full Release statt Early Access
  • Titan Roc hört aktiv auf Community-Feedback und patcht seit Launch
Bad
  • Performance deutlich unter dem, was die Optik erwarten lässt
  • Nur DLSS im Menü, FSR und XeSS liegen ungenutzt im Verzeichnis
  • UI wirkt wie ein Platzhalter, Inventar und Crafting laufen über Textlisten
  • Kämpfe fühlen sich zeitverzögert an, Animationen und Hitboxen passen nicht zusammen
  • Ausweichen wirkt zu spät, obwohl das Timing stimmt
  • Aktuell nur Englisch und Finnisch
  • Vereinzelt unsichtbare Wände
8.3
Progression & Builds - 9
Kampfsystem - 7.5
Welt & Erkundung - 10
Story & Quests - 8
Technik & UI - 6.5
Umfang & Preis-Leistung - 9