The Sinking City 2 Review: Lohnt sich Frogwares‘ Lovecraft-Horror?

The Sinking City 2 Test, kurz gefasst: 8,5 von 10 Punkten. Frogwares‘ Wechsel zum Survival-Horror funktioniert. Atmosphäre, Sounddesign und Leveldesign sind herausragend, das Gunplay sitzt, die Rätsel ergeben Sinn. Dafür schrumpft die Detektivarbeit des Vorgängers zur Nebensache, das Inventar ist knapp bemessen und die Kamera zickt in engen Gängen.

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Für diese The Sinking City 2 Review habe ich einen kompletten Durchgang auf dem PC gespielt, auf normalem Schwierigkeitsgrad und inklusive der optionalen Ermittlungen. Konsolenfassungen habe ich nicht getestet.

Entwickler und PublisherFrogwares
Release18. August 2026
PlattformenPC, PS5, Xbox Series X/S
ModusNur Einzelspieler
Steam-Erfolge23
Deutsche FassungMenü und Untertitel ja, Sprachausgabe nein

Story und Setting: Arkham 1929 und eine Rettung ohne Aussicht

Arkham säuft ab. Eine übernatürliche Flut hat die Hafenstadt in Neuengland überschwemmt, die Evakuierung läuft, und wer noch da ist, hat dafür einen sehr guten oder einen sehr kaputten Grund. Calvin Rafferty hat beides. Der Okkult-Abenteurer will seine Partnerin Faye Bennett zurückholen, die nach einem missglückten Ritual in einem übernatürlichen Schlaf liegt, eine metallene Maske über dem Gesicht.

Was danach passiert, steckt in den ersten zwei Stunden und ist kein echter Spoiler. Calvins Versuch, sie aufzuwecken, wird unterbrochen, Fayes Körper verschwindet, ihr Geist landet in der Maske, die er ab da mit sich trägt. Der Rest ist eine Verfolgungsjagd durch eine Stadt, die im Wasser verrottet. Mehr wird hier nicht verraten, denn The Sinking City 2 lebt davon, dass du nicht weißt, was hinter der nächsten Tür wartet.

Erzählerisch ist das eine Liebesgeschichte mit Tentakeln, und sie funktioniert besser, als sie dürfte. Die Rückblenden zwischen Calvin und Faye sind fantastisch animiert und geben der Jagd ein Gewicht, das Survival-Horror selten hat. Faye kommentiert als Geist das Geschehen, was die Reise gesprächiger macht als die üblichen Einzelkämpfer-Storys des Genres.

Ehrlich bleiben muss man an zwei Stellen. Erstens ziehen die Nebenfiguren, so faszinierend sie designt sind, meist nur einen Auftritt lang vorbei. Ein Gelehrter, der sich die Augen entfernt hat, eine Meerjungfrau in einem Hotel, ein Arzt mit sehr eigenen Sicherheitsvorkehrungen: alles Figuren, mit denen du gerne länger geredet hättest. Zweitens zieht das letzte Drittel spürbar an und lässt Fragen offen, die man lieber beantwortet hätte.

Vorwissen brauchst du keines. Der erste Teil hatte einen anderen Protagonisten, einen anderen Schauplatz und ein anderes Genre. The Sinking City 2 ist eine eigenständige Geschichte, und wer den Vorgänger nie angefasst hat, verliert genau nichts.

Was The Sinking City 2 dagegen richtig gut hinbekommt, ist das Gefühl des Unbegreiflichen. Es gibt keinen Sanity-Balken und keine Cthulhu-Namedrops als Fanservice. Wenn ein Wesen benannt wird, dann hat das Gewicht. Das ist näher an Lovecraft als die meisten Spiele, die sich sein Etikett aufkleben.

Dazu kommt eine Ebene, die du kennen solltest. Frogwares hat dieses Spiel im laufenden russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine entwickelt. Im Krankenhaus-Areal finden sich Röntgenbilder mit Berichten echter ukrainischer Kriegsversehrter, eingebaut als stiller Teil der Welt statt als Marketing. Dass ein Spiel dieser handwerklichen Qualität unter solchen Bedingungen entstanden ist, ist bemerkenswert.

Kampf und Ressourcen: Jede Kugel zählt

Das Kampfsystem von The Sinking City 2 ist Over-the-Shoulder und orientiert sich offen an modernem Survival-Horror. Es gibt Pistole, Schrotflinte und Gewehr, dazu Aufsätze, die du in optionalen Ermittlungen und versteckten Kisten findest. Für den The Sinking City 2 Test habe ich auf normalem Schwierigkeitsgrad gespielt, und dort ist genug Munition da. Aber nur, wenn du nicht auf jeden Gegner ballerst.

Kopfschüsse bringen wenig. Die Slither, wurmartige Parasiten, treiben die Leichen der Stadt an und bilden dabei leuchtende Beulen, die überall am Körper sitzen können. Diese Schwachstellen sind das eigentliche Ziel. Wer sie trifft, spart Munition, wer blind ins Blaue feuert, steht zwei Räume später ohne alles da.

Besonders clever: Besiegte Gegner sind nicht zwingend erledigt. Die Würmer kriechen aus dem Körper und suchen sich eine neue Leiche, wenn du sie nicht zertrittst. Der Stampfangriff auf am Boden liegende Feinde ist deshalb kein Bonus, sondern Pflichtprogramm.

Ausweichen funktioniert sauber und hat großzügige unverwundbare Frames. Der Nahkampf dagegen ist ein Notnagel. Schlagen und Treten kosten dich fast immer Lebenspunkte, taugen aber gut zum Zerlegen von Fässern und Barrikaden. Auf dem PC liegen die beiden Nahkampftasten standardmäßig auf Strg und Alt, was gewöhnungsbedürftig ist.

Zwei Kritikpunkte gehören hierher. Erstens kommt die Kamera in engen Räumen und Gängen nicht immer mit, gerade wenn mehrere Gegner gleichzeitig auf dich zulaufen. Eine 180-Grad-Wende auf Knopfdruck fehlt, und die vermisst du genau dann, wenn es eng wird. Zweitens sind die Bosskämpfe der schwächste Teil des Pakets, weil ihre Arenen mit nachfüllbaren Kisten ausgelegt sind.

Der Druck, der den Rest von The Sinking City 2 trägt, verpufft dort komplett. Die Gegnervielfalt ist für ein Horror-Spiel solide, aber nicht groß, und ab der Hälfte kennst du die meisten Angriffsmuster. Das fällt weniger auf, als es klingt, weil die Areale selbst für Abwechslung sorgen. Es ist aber der Grund, warum ein längeres Spiel hier nicht automatisch ein besseres wäre.

Ein Tipp aus der Praxis: Stell in den Optionen den Sprint auf „gedrückt halten“ um. Standardmäßig reicht ein einzelner Tastendruck, und wer aus anderen Spielen etwas anderes gewohnt ist, rennt in den falschen Momenten los.

Rätsel, Ermittlungen und Leveldesign

Die Ermittlungen laufen über den Investigation Space, eine Pinnwand im Menü, auf der du gefundene Hinweise verknüpfst. Richtige Verbindungen färben sich ein und werfen Fortschrittspunkte ab. Falsche Verbindungen kosten dich nichts, was das System zugänglich macht, ihm aber auch die Spannung nimmt. Wer will, klickt sich durch.

Die Rätselschwierigkeit lässt sich unabhängig vom Kampf einstellen. Auf der einfachen Stufe werden die entscheidenden Textstellen in Dokumenten hervorgehoben, auf der höheren musst du selbst lesen. Für diesen The Sinking City 2 Test habe ich die höhere Stufe genommen, und das ist auch meine Empfehlung. Die Notizen gehören zum Besten, was das Spiel zu bieten hat.

Inhaltlich sind die Rätsel sauber und logisch, teilweise fast zu simpel. Safe-Kombinationen, Schalterfolgen, Symbole, versperrte Türen, für die du erst durch ein halbes Gebäude musst. Nichts davon ist wirr, und genau das ist eine Qualität. Verglichen mit SILENT HILL f, wo einige Rätsel eher Ratespiele waren, ergibt hier fast alles Sinn.

Ein einziges Pflichträtsel im Mittelteil fällt aus dem Rahmen und kostet unnötig Zeit. Das Leveldesign ist dafür die stille Stärke von The Sinking City 2. Jedes Areal ist ein verschachteltes Knäuel aus Abkürzungen, Umwegen und Türen, die sich erst von der anderen Seite öffnen lassen. Die Karte markiert Räume rot, solange dort noch etwas offen ist, und blau, wenn alles eingesammelt wurde.

Objektivmarker gibt es nicht, du musst selbst mitdenken. Das klingt nach Frustpotenzial und ist das Gegenteil. Ich habe einen miserablen Orientierungssinn und habe mich in The Sinking City 2 kein einziges Mal verlaufen, weil die Räume räumlich Sinn ergeben. Das ist seltener, als man denkt.

Ein Haken bleibt: Abgeschlossene Kapitel sind endgültig zu. Es gibt keine Warnung vor dem Punkt ohne Rückkehr, und wer Geheimnisse liegen lässt, sieht sie in diesem Durchgang nicht wieder. Räum jedes Areal ab, bevor du die letzte Hauptaufgabe erledigst.

Safe Rooms, Nightshade-Maske und New Game Plus

Safe Rooms funktionieren wie im Genre üblich: speichern, Itembox nutzen, durchatmen, keine Angriffe. Frogwares hat sie aber erzählerisch verankert, statt sie als reinen Menüpunkt hinzustellen. Es sind Erinnerungsräume, in denen Calvins und Fayes persönliche Gegenstände stehen, und das Grammophon, an dem du speicherst, gehört zur Einrichtung. Kleine Sache, große Wirkung.

Das Fortschrittssystem von The Sinking City 2 hängt an der Nightshade-Maske. Über Ermittlungen und besondere Kisten sammelst du Dream Essence und schaltest damit Talente frei, die du in die Maske einsetzt. Die Stufen reichen von einfachen Boni wie schnellerem Nachladen bis zu Expertentalenten, die erst über die Eldritch-Belohnungen zugänglich werden.

Hier liegt der größte Systemschwachpunkt. Es gibt schlicht zu wenig Dream Essence, um in einem Durchgang sowohl viele Talente als auch die zusätzlichen Steckplätze zu kaufen. Du entscheidest dich also zwischen Auswahl und Nutzbarkeit, und beides fühlt sich nach Verzicht an. Spielentscheidend ist keine der beiden Varianten, was den Frust dämpft, aber auch die Motivation.

Die Maske kann noch etwas: Sie holt dich nach einem tödlichen Treffer einmal zurück und wird über eine eigene Ressource wieder aufgeladen. Ein gutes Sicherheitsnetz, das du auf normalem Schwierigkeitsgrad seltener brauchst, als du denkst.

Das Inventar ist ein Rasterinventar im Stil des Genres und der Punkt, an dem ich am meisten gemault habe. Waffen belegen mehrere Felder, Questgegenstände ebenso, Heilmittel stapeln nicht. Das erzeugt echte Entscheidungen, sorgt aber auch dafür, dass du regelmäßig zurück zum Safe Room latschst. Ein oder zwei zusätzliche Reihen hätten dem Spiel nicht geschadet.

New Game Plus heißt Ex Oblivione und ist mehr als ein Neustart mit Ausrüstung. Du nimmst deine Talente mit, und es kommen zusätzliche Notizen und Lore-Dokumente dazu, die manches in einem anderen Licht zeigen. Dazu kommen Eldritch-Belohnungen wie früher freigeschaltete Waffen, unendliche Munition, Kostüme, Taschenlampenfarben und Concept Art.

The Sinking City 2 Test: Technik, Umfang und deutsche Fassung

Technisch ist das die beste Arbeit, die Frogwares je abgeliefert hat. The Sinking City 2 läuft auf Unreal Engine 5, und auf dem PC lief es bei mir auf mittleren Einstellungen durchgehend stabil, ohne Abstürze und ohne auffällige Einbrüche. Optisch sah das trotzdem deutlich besser aus, als „mittel“ vermuten lässt. DLSS inklusive Frame Generation und NVIDIA Reflex sind an Bord.

Zwei Einschränkungen gehören dazu. HDR war zum Verkaufsstart nicht enthalten und wurde von Frogwares als kostenloser Patch angekündigt, der zum Zeitpunkt dieses Tests noch aussteht. Und das Steam Deck ist offiziell als nicht unterstützt eingestuft, weil sich die Grafikoptionen dort nicht sinnvoll einstellen lassen. Unter SteamOS auf stärkerer Hardware läuft es dagegen.

Die Anforderungen sind kein Schnäppchen. Auf der Seite von The Sinking City 2 stehen mindestens eine GTX 1070 oder RX 5700 mit 8 GB, empfohlen eine RTX 4070 Ti oder RX 7900 XT mit 12 GB, dazu 70 GB Speicher. Eine SSD ist Pflicht, keine Empfehlung. Der erste Hotfix 1.0.1 hat seltene Abstürze und zwei Rätselfehler beseitigt.

Zur Präsentation: Das UI verschwindet im Spiel komplett, was der Atmosphäre enorm hilft, und die Menüs sind aufgeräumt statt überladen. Das Sounddesign ist die heimliche Hauptattraktion von The Sinking City 2. Wasser, Türen, entfernte Laute, und vor allem die Momente ohne Ton, in denen dir die eigene Fantasie den Rest gibt.

Nicht alles ist perfekt. Die Gesichtsanimationen übertreiben es stellenweise, besonders die Mundbewegungen des Protagonisten fallen in Nahaufnahmen negativ auf. Die Sprachausgabe selbst ist stark, und die Chemie zwischen den beiden Hauptfiguren trägt das ganze Spiel.

Die The Sinking City 2 Spielzeit liegt je nach Spielweise zwischen rund acht und fünfzehn Stunden. Wer die optionalen Ermittlungen mitnimmt und auf normalem Schwierigkeitsgrad spielt, landet realistisch bei etwa zwölf Stunden. Für alle 23 Steam-Erfolge musst du mehr einplanen, weil sich nicht alles in einem einzigen Durchgang freischalten lässt.

Wer The Sinking City 2 deutsch spielen will, sollte eines wissen: Menü und Untertitel sind lokalisiert, eine deutsche Sprachausgabe gibt es nicht. Gesprochen wird ausschließlich Englisch. Angesichts der Textmenge in Notizen und Dokumenten ist das verkraftbar, für Spieler mit schwachem Englisch aber ein echter Faktor.

Für wen sich The Sinking City 2 lohnt

Kaufen solltest du The Sinking City 2, wenn du modernen Survival-Horror magst, Lovecraft-Stimmung suchst oder Spiele schätzt, in denen Erkunden belohnt wird. Wer Resident Evil und die neueren Silent-Hill-Umsetzungen mag, ist hier zu Hause. Wenn du in dieselbe Kerbe willst, lohnt auch ein Blick auf Resident Evil Requiem.

Finger weg, wenn du auf das Detektivspiel des ersten Teils gehofft hast. Die Ermittlungen sind hier Beiwerk, die offene Welt ist weg, und niemand befragt Zeugen. Auch Schreckhafte sollten wissen: Es gibt reichlich Jump Scares, und das Spiel benutzt Rückwege gezielt, um dir neue Gegner in den Rücken zu setzen.

Preislich gibt es drei Editionen, dazu bereits kostenpflichtige Zusatzinhalte in Form eines Ausrüstungspakets, eines Story-Zusatzes und des Soundtracks. Die Standard Edition reicht für den vollen Umfang der Kampagne.

The Sinking City 2 hat das Rad nicht neu erfunden, aber verdammt gut umgesetzt. Das ist Frogwares‘ bestes Spiel, egal ob du die Sherlock-Reihe oder den Vorgänger als Maßstab nimmst.

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The Sinking City 2 Launch Trailer:

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Good
  • Herausragende Atmosphäre und Kulisse, Arkham trägt das gesamte Spiel
  • Sounddesign auf Spitzenniveau, inklusive gezielt eingesetzter Stille
  • Leveldesign mit echten Abkürzungen, sauberer Verzahnung und einer wirklich nützlichen Karte
  • Griffiges Gunplay mit sinnvollem Schwachstellen-System
  • Rätsel, die logisch sind statt willkürlich
  • Technisch sauber auf dem PC, im gesamten Durchgang stabil
Bad
  • Inventar zu klein, Questgegenstände fressen Platz
  • Kamera kommt in engen Gefechten nicht immer mit, 180-Grad-Wende fehlt
  • Bosskämpfe fallen wegen nachfüllbarer Munitionskisten deutlich ab
  • Zu wenig Dream Essence für ein befriedigendes Talentsystem im ersten Durchgang
  • Detektivarbeit nur noch als Beiwerk
  • Keine Rückkehr in abgeschlossene Areale, ohne Warnung vor dem Point of No Return
8.5