Als Jean Nguyen vor ca. 4 Jahren ein kurzes Video mit einem Dinosaurier, der mit Clouds Buster Sword verschiedene Combos ausgeführt hat, hochgeladen hat, wusste er vermutlich noch nicht, wohin ihn das bringen wird.
Am 23. Juli 2026 erschien Dinoblade als Vollversion für 20,49€ auf Steam und hat bis heute 90% positive Bewertungen. Auf Social Media ist der Account mit teilweise mehreren Millionen Aufrufen nahezu explodiert. Entwickelt wurde es von Jean Ngyugen alleine. Es ist somit ein Solo-Entwickler Projekt. Dinoblade gibt es mit deutscher Oberfläche und Untertitel. Die Vertonung gibt es leider nur auf Englisch. Die Spielzeit für die Story beträgt ca. 3-4 Stunden. Es ist jedoch abhängig, wie sehr ihr erkundet oder Probleme mit den Bossen habt. Für meinen Durchlauf habe ich knapp 6 Stunden benötigt.
Aber was kann Dinoblade tatsächlich und ist es nur ein Social Media bzw. Meme Phänomen? Wir durften es für euch testen und nun bewerten.
Disclosure: Jean Nguyen hat uns netterweise ein Reviewkey zur Verfügung gestellt. Wir bewerten das Spiel dennoch so neutral wie möglich. Wir danken Jean Nguyen für die Möglichkeit!
Inhaltsverzeichnis
Story
Die Story ist relativ schnell und übersichtlich erklärt: Die Story spielt in einer prähistorischen Welt, die durch ein kataklysmisches Ereignis für immer verändert wurde. Die Dinosaurier sind nun mit Waffen ausgestattet. Wir schlüpfen in die Rolle eines jungen Spinosaurus, der mit einem Großschwert ausgestattet ist. Mit ihm müssen wir gegen rivalisierende Dinosaurier kämpfen, die ebenfalls brutale Waffen nutzen, um ein Aussterben zu verhindern.
Worldbuilding
Die Welt von Dinoblade ist nicht klassisch Open-World, sondern in Segmente aufgeteilt. Nach jedem besiegten Endboss kommt ihr in ein neues Gebiet. Die Gebiete sehen dabei alle unterschiedlich aus. Es gibt vier Gebiete. Großartig viel zu erkunden gibt es in Dinoblade nicht. Es ist vielmehr eine Art Bossrush statt wirkliches erkunden. Ihr könnt gegen andere Dinosaurier kämpfen und Fähigkeitspunkte erhalten, aber verschiedene Arten von Gegenständen, Waffen oder Ähnliches gibt es nicht. Es ist somit recht linear gehalten. Außerdem gibt es auf der Karte relativ häufig Speicherpunkte, wo ihr die Gegner respawnen könnt. Das Prinzip sollte allen Souls und Soulslike Spielern bereits bekannt sein.
Schwierigkeitsgrad und Bosse
In Dinoblade gibt es ca. 16 Bosse, je nachdem wie ihr zählt. Zusätzlich zu den Storybossen gibt es außerdem Elitebosse. Im ersten Gebiet gibt es zum Beispiel zwei Elitebosse und ein Storyboss. Diese Anzahl an Elitebossen erhöht sich auf drei, sobald ihr das zweite Gebiet erreicht.
Der Schwierigkeitsgrad in Dinoblade hat es in sich und blutige Soulslike Anfänger können sich auf Frust und Verzweiflung einstellen. Das wird dadurch komplizierter, weil die Hitbox der Dinosaurier nicht so eindeutig ist, wie man es gewohnt ist. Dazu erzählen wir euch mehr, sobald wir über das Kampfsystem reden. Den Schwierigkeitsgrad könnt ihr zwar nicht einstellen, aber durch grinden könnt ihr stärker werden und die Bosse werden somit „leichter“.
Nachdem ihr den letzten Boss besiegt habt, schaltet ihr den „richtigen“ Bossrush-Modus frei.
Kampfsystem
Blocken & Ausweichen
In Dinoblade gibt es ein Parry-System. Das bedeutet: Wenn ihr gegnerische Angriffe parriert, lädt sich ein zweiter Balken auf. Dieser Balken lädt sich auch auf, wenn ihr dem Gegner Schaden zufügt. Ist der Balken voll, macht ihr einmal sehr guten Schaden und der Balken setzt sich zurück.
Das Blocken in Dinoblade ist in meinen Augen wirklich nicht so einfach. Es ist nicht klar deutlich, wo genau die Hitbox des Schwertes und wie das Zeitfenster ist. Das wird dadurch erschwert, weil die Dinosaurier sich trotz ihres Gewichts federleicht bewegen und die Angriffe aus einem Salto heraus erfolgen. Da wird man schon ein wenig panisch und spamt Ausweichen. Teilweise kommt die Kamera auch nicht hinterher. Bei schnellen Gegnern schaut ihr nur zu, wie die Kamera versucht die Bewegung einzufangen. Das kann schon mal frustrieren. Selbstverständlich ist es ein befriedigendes Gefühl, wenn man erfolgreich blockt.
Ein ähnliches Problem hat das Ausweichen. Dadurch, dass die Hitbox nicht klar einzuschätzen ist, ist das Timing beim Ausweichen ebenfalls schwer einzuschätzen. Erschwert wird es in diesem Fall durch die Tatsache, dass die Dinosaurier sich sehr sperrig, clunky und langsam bewegen. Es ist dennoch deutlich einfach auszuweichen als zu parrieren.
Fähigkeit, Stats und Fähigkeitspunkte
Unserem Spinosaurus stehen verschiedene Fähigkeiten zu Verfügung: Meteorschnitt, Meteorspurt, Urbrüll, Meteorzone und Überlebensinstinkt. Anhand des Screenshots könnt ihr erkennen, welche meine Lieblingsfähigkeit war. Ihr könnt die Fähigkeiten selbstverständlich hochstufen, wenn ihr sogenannte Boss-Ep habt. Die erhaltet ihr von den Elite- oder Storybossen. Die Fähigkeiten machen nicht nur mehr Schaden, sondern auch ihre Animationen ändert sich. Teilweise sehr übertrieben, aber gerade das macht Spaß.
Neben den Fähigkeiten könnt ihr auch eure Stats erhöhen. Diese sind eigentlich selbsterklärend. Resonanz steht hierbei für Mana. Um eure Stats erhöhen zu können, benötigt ihr Fähigkeitspunkte. Fähigkeitspunkte könnt ihr durch besiegte Gegner erhalten. Dabei variiert die Menge je nach Gegnertyp. Kleinere Gegner geben 1 Fähigkeitspunkt und größere 3-4 Punkte. Ihr könnt somit eure Stats sehr hoch grinden, indem ihr Gegner besiegt, am Speicherpunkt rastet und das Ganze nochmal macht. 1 Punkt entspricht immer einer Erhöhung und wird nicht teurer. Investiert ihr einen Punkt in Stärke, macht ihr +1 Schaden. Investiert ihr 100 Punkte in Schaden, macht ihr +100 Schaden. Die einzige Ausnahme ist hierbei Vitalität. Ihr erhaltet pro investierten Punkt mehr als nur +1 HP.


Schwerter
Nach jedem Storyboss erhalten wir ein neues Schwert, der größer und besser als der vorherige sein kann. Jedes Schwert hat eine besondere „Passive“. Das kann erhöhter Schaden durch aufgeladene Angriffe sein.
Beschwörungen
Sobald wir Elitebosse besiegen, erhalten wir diese als Beschwörung. Wir können die Beschwörung im Kampf einsetzen, um zum Beispiel den Gegner zu schwächen oder kurz kampfunfähig zu machen. Eine zweite Komponente ist aber die passive Fähigkeit der Beschwörungen, die deutlich sinnvoller sind. Wir können ein höheres Angriffstempo, reduzierte Cooldown auf Fähigkeiten oder ein erhöhtes Blockfenster erhalten. Passive Fähigkeiten durch Beschwörungen haben somit großen Einfluss auf den Kampf.
Soundtrack
Der Soundtrack in Dinoblade ist verdammt gut. Es erinnert sehr stark an die Devil May Cry – Teile (Heavy Metal) und passt in diesem Fall sehr gut zum Kampf und Atmosphäre.
Performance
Im überwiegenden Teilen läuft Dinoblade sehr flüssig und ohne Probleme. Die Dinosaurier wirken, wie vorher erwähnt, teilweise sehr clunky und sperrig. Die Landschaft sieht so schön, wie es aussehen kann, aus. Ich würde es nicht als optisch schlecht beschreiben.
Leider bereiten die kleinen Dinosaurier die meisten Probleme, da sie teilweise „unsichtbar“ werden und anschließend wieder auftauchen. Bei schnellen Kämpfen kommt meiner Meinung die Kamera nicht hinterher und ihr wisst gar nicht, wo ihr blocken sollt. Bei diesen Bewegungen gingen bei mir teilweise die Frames in die Knie und ich hatte ein stockendes Bild. Das passierte aber sehr selten. So wirkliche Gamebreaking Bugs hatte ich keine und dafür, dass es nur von einem Entwickler entwickelt wurde, waren die Probleme sehr übersichtlich.
Meine Hardware zum Zeitpunkt als ich gespielt habe:
- Grafikkarte: NVIDIA GeForce 3070Ti
- Prozessor: AMD Ryzen 7 5800X3D
Fazit
Ich denke, dass Dinoblade ein solides Spiel ist. Es ist ein gutes Beispiel für ein Konzept, was zunächst absurd klingt und von vielen belächelt wird, aber sobald ihr die anfängliche „Überraschung“ überwunden habt, findet ihr ein Soulslike, was sich und dem Genre durchgehend treu bleibt und einem roten Faden folgt. Die Zielgruppe wird vermutlich die Fraktion sein, die Soulslike und/oder Dinosaurier lieben. Es hatte über 500.000+ Wishlist und spricht somit für eine gewisse Beliebtheit. Meine Hauptprobleme drehen sich um zwei Punkte: Kampfsystem und Preis.
Das Kampfsystem macht im Kern sehr viel Spaß und auch die Fähigkeiten sind sehr geil, weil es einfach sehr übertrieben ist, was die Dinosaurier da tun. Ein T-Rex, der ein Salto macht, und dabei ein Schwert schwingt, sieht man nicht gerade in jedem Spiel. Die kreative Idee sowas zu machen, ist zumindest gesetzt. Nun das große aber: Die schnellen Bewegungen im Kampf könnten viele Abschrecken und sorgen zusätzlich für Probleme mit den Frames. Dadurch sind die Kämpfe teilweise sehr unsauber und nicht schön. Das ist im Kontext von Dinoblade verzeihbar, aber sollte an dieser Stelle nicht weggelassen werden.
Es ist auch „zum Glück“ eine Art Bossrush, weil es passt. Ich hatte jetzt keine tiefe Story mit diversen Plottwists erwartet. Meine Erwartung war: Ich spiele ein Dinosaurier mit einem Schwert und kämpfe gegen andere Dinosaurier. Genau das habe ich bekommen. Der Soundtrack passt ebenfalls sehr gut zu der Art des Spiels.
Beim Preis muss es jeder für sich individuell betrachten. Mir erscheint es für 20,49€ als ein klein wenig zu teuer.
Die Zielgruppe wird auch nicht diejenige sein, die AAA-Spiele gewöhnt sind und solchen Titeln keine Chance geben, da es für viele aufgrund der clunky Bewegungen, der teilweise leeren Welt und keiner wirklichen Story keinen Spaß bringen wird. Diejenigen, die sich regelmäßig im Indie-Segment bewegen, werden Spaß haben. Ich für meinen Teil hatte sehr viel Spaß beim Zocken. Behaltet außerdem im Hinterkopf, dass es nur von einem Entwickler erschaffen wurde.
Falls ihr Interesse an einem Fable inspirierten Indie-Spiel habt, können wir euch Forsaken Realms: Vahrin’s Call empfehlen.